Kopfkissenbuch.

15 Apr

Kurzgeschichtensammlung
Kopfkissenbuch

309 Seiten
Diogenes Verlag, 18. Dezember 2009
Flexibler Einband

ISBN: 9783257240252

Ein Buch, das man abends vor dem Einschlafen lesen kann – ein Buch, das man morgens nach dem Aufwachen in die Hand nimmt – ein Buch, das man liest, wenn man krank im Bett liegt – das ist das Kopfkissenbuch.

Das Kopfkissenbuch enthält 23 Geschichten verschiedener Autoren wie F. Scott Fitzgerald, John Irving, Ingrid Noll, Donna Leon, Patrick Süskind oder Martin Suter. Die Geschichten variieren zwischen einer Länge von 1 bis 40 Seiten und sollen eine leichte, unterhaltende Lektüre zum Einschlafen bieten.
Das Buch beginnt mit einem wundervollen Märchen – Des Kaisers neue Kleider. Wer kennt nicht die Geschichte des oberflächlichen Kaisers, der von vermeintlichen Schneidern verschaukelt wurde und schließlich nackt durch sein Volk marschierte. Nach diesem tollen Auftakt kommt leider lange nichts. Die Geschichten sind zwar, wie angekündigt, leichte Kost, aber oft wenig unterhaltend. Natürlich kann man von einer Kurzgeschichtensammlung kaum erwarten, dass alle Geschichten dem persönlichen Geschmack entsprechen, aber die Anzahl der wirklich guten Stücke war mir einfach zu gering. Einige Handlungen waren so trocken, dass ich einfach weiter blättern musste.
Natürlich gab es auch eine Hand voll guter Geschichten. Drei davon möchte ich euch kurz vorstellen:

Patricia Highsmith: Bekenntnisse einer ehrbaren Küchenschabe
Wie der Titel bereits verrät, erzählt hier eine Küchenschabe aus ihrem Leben. Sie wohnt in einem Hotel, das früher einmal gut besucht war, heute aber nur noch Alkoholiker und Drogenabhängige anlockt. Als Küchenschabe hat man es da natürlich nicht leicht – statt Essensresten, findet man nur noch Rauschmittel auf dem Boden.

Loriot: Feierabend
Ein hübscher Sketch über das Zusammenleben von Mann und Frau. Frau sagt, was Mann denken und sagen soll. Worte werden in den Mund gelegt und verdreht und plötzlich ist ein Streit da.

Luciano De Crescenzo: Anwalt Tanucci
Diese Kurzgeschichte zeigt die Verteidigung des Anwalts Tanucci. Die Adjektive wortgewandt und clever beschreiben diesen Anwalt wohl am besten. Anhand einer klug ausgedachten Strategie beweist Tanucci die Unschuld seines Mandaten und klagt gleichzeitig Louis Vuitton des Betrugs an.

Als Abschluss und eine Art Nachwort dient der Text Amnesie in litteris von Patrick Süskind. Hier philosophiert der Autor über das ständige Vergessen von Büchern. Ein gelungener Abschluss. Ich habe mich in diesem Text selbst wieder erkannt. Kennt ihr das nicht auch? Ihr seht ein Buch aus eurem Regal – der Inhalt ist völlig verblasst oder gar schon in Vergessenheit geraten. Vielleicht wisst ihr nicht mal mehr, ob ihr es überhaupt schon gelesen habt?

Die folgende Liste bietet eine Übersicht aller enthaltenen Kurzgeschichten. Die dick markierten Titel gehören zu meinen Favoriten.

Inhalt:

      Hans Christian Andersen: Des Kaisers neue Kleider
      Anton Chechov: Kleiner Scherz
      O. Henry: Liebesgeschichte eines vielbeschäftigten Börsenmaklers
      W. Somerset Maugham: Mr. Allwissend
      D. H. Lawrence: Zwei blaue Vögel
      F. Scott Fitzgerald: Drei Stunden zwischen zwei Flügen
      Carson McCullers: Ein Baum, ein Felsen, eine Wolke
      Ray Bradbury: Zur warmen Jahreszeit
      Patricia Highsmith: Bekenntnisse einer ehrbaren Küchenschabe
      Loriot: Feierabend
      Henry Slesar: Flitterwochen erster Klasse
      Luciano De Crescenzo: Anwalt Tanucci
      Ingrid Noll: Die Sekretärin
      Urs Widmers: In Hotels
      John Irving: Die Pension Grillparzer
      Donna Leon: Geeignete Männer
      Bernhard Schlink: Die Frau an der Tankstelle
      Martin Suter: Hunold, Manager und Familienvater
      Meir: Der freundliche Gasthof
      Leon de Winter: Der Schmetterlingsfänger
      Doris Dörrie: Spekulatius
      Patrick Süskind: Amnesie in litteris

Ein letzter Hinweis zum Schluss. Seit gestern gibt es eine neue Seite auf der ich Zitate aus Büchern sammel. Auch in diesem Buch bin ich fündig geworden, also schaut mal rein.

Fazit:
Das Kopfkissenbuch ist eine interessante Kurzgeschichtensammlung vieler bekannter Autoren, die einige gute, aber viel zu viele schwache Stücke enthält.

Bewertung:

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