Bauernfänger.

19 Jul

Joachim Rangnick
Bauernfänger

365 Seiten
List Taschenbuch, 10. Juni 2011
Broschiert

ISBN: 9783548610481

Der Journalist und Hobbyfotograf Robert Walcher macht bei einer Fototour eine schreckliche Entdeckung. In einer abgelegenen Villa am Bodensee findet er die Leiche eines älteren Mannes und einen merkwürdigen Ordner. Ohne die Polizei zu benachrichtigen, verlässt Walcher das Anwesen, nimmt jedoch den Ordner mit der Aufschrift „Company“ mit. Zu Hause prüft er dessen Inhalt – es scheint sich dabei um die Zusammenstellung eines Verrückten zu handeln, denn niemals können die abgedruckten Fakten der Wahrheit entsprechen. Oder vielleicht doch? Als Walcher ein paar Tage später den Kadaver eines Schweins in seinem Keller findet, wird ihm bewusst, dass er zufällig in eine Sache geraten ist, die er besser hätte ruhen lassen sollen. Sein Wissen über den Tod des Mannes und die Existenz der Company wird ihm zum Verhängnis und es beginnt ein Kampf um Leben und Tod.

„Bauernfänger“ von Joachim Rangnick beginnt vielversprechend und hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Der Schreibstil ist unkompliziert und gut verständlich. Das Lesen hat mir viel Spaß gemacht, bis ich an einen gewissen Punkt kam. Dann wurden die Fakten um die ominöse Company konkreter und ich musste mich fragen, ob so etwas denn wirklich sein kein. Natürlich – es handelt sich um Fiktion, aber ein gewisser Grad an Glaubwürdigkeit sollte für mich gegeben sein. Dieser ging mir irgendwann verloren. Die ganze Geschichte um die Company wurde immer abstruser, ja, unglaubwürdiger. Der Roman nahm richtig fahrt auf und plötzlich überschlugen sich die Ereignisse. Insgeheim hatte ich gehofft, dass irgendwann noch eine ganz simple Auflösung kommen würde, stattdessen wurde die Geschichte immer weiter gesponnen.

Auf dem Cover wird das Buch ausdrücklich als Kriminalroman ausgeschrieben, allerdings verstehe ich darunter etwas anderes. Auftragskiller, ein weltweit agierendes Netzwerk und viele Todesfälle – das klingt für mich eher nach einem Thriller. Vielleicht sollte man diese Zuordnung noch einmal überdenken.

Neben diesen Kritikpunkten, gibt es aber auch einige positive Erscheinungen im Buch. Ganz besonders gut gefiel mir die Figur der Frau Zehner. Diese alte gebrechliche Dame betreibt einen Tante-Emma-Laden und ist gleichzeitig Dreh- und Angelpunkt für sämtlichen Dorfklatsch. Besonders liebenswürdig erscheint sie durch ihre „Lottokasse“, in die Walcher regelmäßig einzahlt, ohne dabei wirklich Lotto zu spielen. Stattdessen gibt sie das gesammelt Geld an Menschen weiter, die darauf wirklich angewiesen sind.
Kurz vor dem Ende hat es Rangnick sogar noch einmal geschafft, mich richtig zu schocken. Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht zu viel verraten – nur so viel: Ein schwerer Schicksalsschlag trifft Robert Walcher. Und auch mich hat diese Wendung getroffen. Selten bin ich beim Lesen bestürzt, doch diese eine Szene hat es tatsächlich geschafft.

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte über die Gestaltung des Buches verlieren, denn diese kann sich wirklich sehen lassen. Das Cover finde ich sehr schön und ansprechend, auch wenn es vielleicht etwas zu unspektakulär für den Inhalt ist. Aber ich mag es schlicht. Auch die Kapitel und Textpassagen laden durch ihre Anordnung und Typografie zum Lesen ein.

Fazit:
„Bauernfänger“ ist sicher kein schlechtes Buch und hat durchaus Unterhaltungswert, allerdings ist es mir für einen Krimi einfach zu fantastisch und zu konstruiert.

Bewertung:

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