Die Gebeine von Avalon.

21 Okt

Phil Rickman
Die Gebeine von Avalon

655 Seiten
Rowohlt Polaris, 1. Oktober 2011
Hardcover

ISBN: 978-3-86252-001-5

Dr. John Dee – Wissenschaftler und vertrauter von Elizabeth I. – wird an einem regnerischen Morgen zu einem mysteriösen Vorfall gerufen. Passanten haben am Ufer der Themse einen Sarg gefunden, der eine verkrüppelte, aus Wachs gefertigte, Leiche enthält. Es wird vermutet, dass es sich dabei um eine Anspielung auf die Königin handelt – ein böses Omen.
Wenig später wird Dee damit beauftragt mit seinem langjährigen Freund und Schüler Robert Dudley nach Glastonbury aufzubrechen, um die Gebeine des legendären König Artus ausfindig zu machen. Grund dafür sind Visionen der Königin. Kurz nach ihrer Ankunft in Glastonbury kommt es zu einem entsetzlichen Vorfall. Dr. John findet in den Ruinen der alten Abtei den ausgeweideten Leichnam eines Dieners seines Freundes Robert. Doch wer ist für diesen grausamen Mord verantwortlich? Wird es John Dee und Robert Dudley nach diesem grausamen Zwischenfall noch gelingen die Gebeine von Artus, dem Schöpfer der Tafelrunde, zu finden?

„Die Gebeine von Avalon“ ist der erste historische Roman von Phil Rickman und ein durchaus gelungenes Werk. Obwohl die Haupthandlung der Fantasie des Autors entsprungen ist, ist der Roman unheimlich reich an historisch belegten Fakten. Rickman zeichnet ein lebendiges und in meinen Augen sehr glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit. Es sind gerade die kleinen und dezenten Hinweise auf die historischen Gegebenheiten, die dieses Buch so lesenswert machen.
Hinzu kommt ein dichter spannungsgeladener Handlungsablauf, der den Leser nicht zur Ruhe kommen lässt. Durch den dramatischen Todesfall und die daraufhin beginnenden Ermittlungen erhält der Roman die Note eines Kriminalromans. Dass diese Vermutung nicht ganz abwegig ist, lässt sich durch die literarische Vorgeschichte des Autoren belegen.

Besonders gelungen empfinde ich die Schilderung des Verhältnisses von Kirche und Wissenschaft. Obwohl John Dee ein gottesfürchtiger Mann ist, lebt er für die Wissenschaft. Für ihn bildet diese Tatsache keinen Widerspruch. Für viele seiner Mitmenschen schon. Hinter seinem Rücken munkelt man, er sei ein Zauberer und Wahrsager. Auf Londons Straßen werden sogar Pamphlete über ihn verbreitet, die seine angeblichen Visionen propagieren. Auslöser für diese Verdachtsmomente sind vor allem seine mechanischen Basteleien und Erfindungen. Für den einfachen Bürger scheint Magie dahinter zu stecken, dabei ist es nichts weiter als reine Logik. Hier wird ganz deutlich, wie Unvereinbar zu dieser Zeit Wissenschaft und Kirche waren und wie tief sich diese Auffassung in die Köpfe der Bevölkerung gebrannt hat. Ein weiteres Beispiel dafür ist die junge Heilerin Helen. Sie kommt Robert Dudley in Glastonbury zu Hilfe, als dieser einem schweren Fieber zu erliegen droht. Viele Menschen aus dem Dorf nehmen ihre Hilfe in Anspruch, doch eigentlich heißt es, dass sie eine Hexe ist – genau wie ihre Mutter. Alles Unerklärliche wird sofort mit Magie und Zauberei in Verbindung gebracht.

Einen weiteren Pluspunkt erhält die Aufmachung des Werkes von mir. Es handelt sich um ein Hardcover mit wunderschönem Einband. Obwohl das Buch mit knapp 700 Seiten eher zu den dicken Wälzern gehört, liest es sich durch die kurzen Kapitel und die angenehme Setzung sehr flüssig. Dazu tragen auch die vielen Dialoge bei, was in meinen Augen überhaupt nicht negativ ist. Denn gerade durch sie lernen wir die Protagonisten erst richtig kennen.

Das Ende des Romans mündet in ein historisches Ereignis, das bis heute nicht wohl ganz geklärt ist. Ist es nur ein offenes Ende oder deutet sich hier eine Fortsetzung an? Über letzteres würde ich mich sehr freuen.

Fazit:
„Die Gebeine von Avalon“ von Phil Rickman ist ein absolut empfehlenswertes Buch – vor allem für alle Freunde des historischen Romans und insbesondere für die Liebhaber der Tudors. Spannend, dramatisch und gut recherchiert – so wird mir dieses Werk in Erinnerung bleiben.

Bewertung:

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