Sieben Minuten nach Mitternacht.

25 Okt

Patrick Ness | Siobhan Dowd
Sieben Minuten nach Mitternacht

216 Seiten
Goldmann, 1. August 2011
Hardcover

ISBN: 9783442312801

Der dreizehnjährige Conor O’Malley erwacht ständig aus demselben Alptraum. Er schwört sich nie jemanden davon zu erzählen. Nicht seiner Mutter, nicht seinem Vater und schon gar nicht seinen Schulkameraden. Eines Nachts scheint Conor von einem Alptraum in den nächsten zu geraten. Es ist 0:07 Uhr. Die alte Eibe, die oben auf dem Hügel auf dem Friedhof steht, erwacht zum Leben. Sie ist ein riesiges, hölzernes Etwas. Doch Conor hat keine Angst – nicht vor diesem Monster. Es ist ja eh nur ein Traum. Oder etwa nicht? Die folgenden Nächte wird der Junge wieder und wieder von der alten Eibe aufgesucht – immer sieben Minuten nach Mitternacht. Das Monster erzählt ihm drei Geschichten und verlangt als Gegenleistung Conors eigene Geschichte, seine ganz eigene Wahrheit. Doch wie mag diese aussehen?
„Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist eigentlich die Geschichte der Autorin Siobhan Dowd, die leider 2007 ihrer Krebserkrankung erlag. Damals waren bereits Titel, Grundidee und Exposé des Werkes ausgearbeitet. Nach ihrem Tod fragte man den Journalisten und Autoren Patrick Ness, ob er den Roman vollenden würde. Er fühlte sich zunächst mit dieser Aufgabe überfordert, weil er sich nicht vorstellen konnte, das Buch im Sinne der Autorin zu beenden. Deshalb nutzte er das Angebot, um seine eigene Geschichte zu schreiben, die auf Dowds Idee basiert. Entstanden ist ein wundervolles Buch, welches sich mit dem Themen Tod, Angst und Familienbande auseinandersetzt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Schüler Conor O’Malley, der mit seiner krebskranken Mutter ein kleines Haus bewohnt. Conor ist mit seinen 12 Jahren bereits sehr selbstständig. Aber was bleibt ihm auch anderes übrig. 6 Jahre zuvor verließ der Vater wegen einer anderen Frau die Familie und wanderte nach Amerika aus. Seitdem haben die beiden nur noch sporadischen Kontakt.
Durch die Krebserkrankung der Mutter muss der Protagonist nun vermehrt ihre Aufgaben im Haushalt übernehmen. Aber er tut es gern.
Weniger Spaß bereitet ihm der tägliche Gang zur Schule. Seitdem alle über die Krankheit seiner Mutter Bescheid wissen, hat sich einiges verändert. Conor wird plötzlich mit Samthandschuhen angepackt. Jeder sorgt sich um sein wohl, dabei ist er nicht der Kranke. Er möchte so wie immer behandelt werden, aber das scheint unmöglich. Aus dieser Situation können wir viel lernen. Oft fällt es uns doch schwer mit Kranken, Behinderten oder dem Tod an sich umzugehen. Meistens wissen wir gar nicht, wie wir uns verhalten sollen. Natürlich möchte man nur das Beste für sich und die anderen. Dabei verkrampfen wir uns aber manchmal so stark, dass wir gar nicht merken, wie unpassend unser Verhalten ist.
Der Roman wird auf zwei Ebenen erzählt – bei Tag und bei Nacht. Am Tag erleben wir den Alltag des Jungen: das Zusammenleben mit seiner Mutter, die Allgegenwärtigkeit der Krankheit, den Zwist mit seiner Großmutter, den Schulalltag, den Ärger mit Mitschülern, die Einsamkeit. Nachts treffen wir auf das Monster und Conors Ängste. Erst scheinen diese Ängste undeutlich und verschwommen, aber mit der Zeit werden sie immer klarer.

Ein ganz besonderes Lob verdient die anspruchsvolle Aufmachung des Buches. In meinen Augen ist es ein kleines Kunstwerk. Die Materialien sind sehr hochwertig, genau wie die vielen Illustrationen, welche die Seiten zieren. Die Zeichnungen sind teilweise sehr abstrakt, manchmal aber auch detailverliebt. Sie sind in schwarz-weiß gehalten und passen somit perfekt zur Stimmung des Buches.

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Siobhan Dowd und Patrick Ness ist ein schönes, aber auch trauriges Buch. Es ist fantasievoll, aber realistisch. Es geht unter die Haut und spendet doch Trost und Hoffnung. Fast wäre es so weit gewesen! Ich weine sonst nie beim Lesen, aber hier wäre fast die erste Träne gekullert und das sagt doch alles.

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