Das Spiel des Engels.

15 Nov


Carlos Ruiz Zafon
Das Spiel des Engels

710 Seiten
Fischer Taschenbuch, 6. Juni 2011
Hardcover

ISBN: 9783596511815

„Um zu erreichen, was man sich vorgenommen hat, braucht man vor allem Ehrgeiz, dann Talent, Wissen und schließlich eine Chance.“

Barcelona zu Beginn des 20. Jahrhunderts: David Martin, dessen Kindheit von vielen Rückschlägen und einer ärmlichen Lebensweise geprägt war, schafft es sich als erfolgreicher Schriftsteller zu etablieren, zunächst jedoch unter einem Pseudonym. Durch das regelmäßige Einkommen kann er es sich leisten, das seltsame Haus mit dem Turm zu mieten, an dem er seit Jahren vorbei läuft. Doch irgendetwas scheint damit nicht zu stimmen. Und plötzlich taucht immer wieder dieser seltsame Verleger Andreas Corelli auf …

„Das Spiel des Engels“ von Carlos Riuz Zafón ist ein Buch voller Überraschungen, Abwechslung und Fantasie. Erzählt wird die Geschichte vom Protagonisten selbst. Er führt uns langsam in sein Leben ein und schildert detailliert seine bewegte Vergangenheit. Von der Mutter früh verlassen, bei seinem Vater aufwachsend, muss der kleine David schnell lernen auf eigenen Beinen zu stehen. Sein Vater diente über Jahre im Krieg und konnte nie richtig lesen. Ganz im Gegenteil zu seinem Sohn, der die Bücher nur so verschlingt. Durch die Arbeit des Vaters als Pförtner bei der „Stimme der Industrie“, einer Tageszeitung, kommt der Protagonist das erste Mal mit dem Schreiben in Kontakt. Nach dem Tod des Vaters ermöglicht es Davids Mentor Pedro Vidal, dass er wöchentlich eine Kurzgeschichte veröffentlichen darf. Davids Geschichten werden schnell ein Erfolg, was den Neid der anderen Mitarbeiter zum Vorschein bringt.

„Neid ist die Religion der Mittelmäßigen. Er stärkt sie, entspricht der sie zernagenden Unruhe, verdirbt letzten Endes ihre Seele und gestattet ihnen, die eigene Niedertracht und Gier zu rechtfertigen, bis sie glauben, diese seien Tugenden und die Himmelspforten stünden nur Unglücksraben wie ihnen offen, die durchs Leben ziehen, ohne eine weitere Spur zu hinterlassen als ihre hinterhältigen Bemühungen, all jene zu verachten, auszuschließen oder sogar, wenn möglich, zu vernichten, die durch ihre schiere Existenz ihre seelische und geistige Armut sowie ihre Unentschlossenheit bloßlegen. Selig der, den die Idioten anbellen, denn seine Seele wird ihnen nie gehören.“

Schließlich wird er gekündigt und schließt auf Raten seines Freundes Pedro einen Vertrag mit zwei geldgierigen Verlegern ab, die ihn fortan zwingen unter einem Pseudonym Groschenromane zu verfassen. Durch das geregelte Einkommen, kann er sich endlich das Haus mit dem Turm mieten, von dem er schon so lange träumt. Doch durch die Fließbandarbeit an den Romanen, verschlechtert sich sein gesundheitlicher Zustand immer mehr, bis er eines Tages auf den Verleger Andreas Corelli trifft. Von da an nimmt sein Leben eine dramatische Wende an.

Der Inhalt ließe sich noch lange weiter beschreiben, doch wer denkt, jetzt schon einen Großteil davon zu kennen, der täuscht sich. Dieses etwas über 700 Seiten lange Buch ist so voll von Inhalt. Gerade in Momenten, in denen man denkt: „So ist das also!“, kommt die nächste Überraschung um die Ecke. Dabei treffen so viele unterschiedliche Themen aufeinander – die Leidenschaft für die Literatur, Neid, Armut, Krankheit, Fantasie und Liebe.

„Wissen Sie, was das Beste ist an den gebrochenen Herzen? […] Dass sie nur ein einziges Mal wirklich brechen können. Alles andere sind bloß noch Kratzer.“

Die Liebe zur Literatur zieht sich durch das ganze Buch. Allein durch den Beruf des Protagonisten und seine regelmäßigen Besuche bei seinem Lieblingsbuchhändler Sempere ist die Literatur allgegenwärtig und das macht Spaß.

Gut gefielen mir auch die vielen verschiedenen Charaktere. Ganz besonders der eben genannte Buchhändler Sempere, dessen Liebe zu Büchern grenzenlos scheint, und die junge Isabella, die das Leben des Protagonisten mächtig auf den Kopf stellt. Während Sempere ein ruhiger, geselliger und warmherziger Mensch ist, besticht Isabella durch ihre Impulsivität und Schlagfertigkeit. Die Dialoge zwischen ihr und Martin waren immer ein Highlight. Man merkte schnell wer hier wen erzieht.

Auch der Schreibstil von Zafon ist sehr ansprechend. Wortgewandt und illustrativ erzählt er die Geschichte des jungen Autors. Der Spannungsbogen ist sehr dicht und dramatisch. Doch eines kann ich Zafon nicht verzeihen – das Ende!
Die ganze Zeit übersät er die Geschichte mit immer mehr Geheimnissen und Wendungen, doch zum Schluss lässt er den Leser alleine. Es gibt einfach keine Auflösung. Als ich mit dem Buch fertig war, hatte ich das Gefühl, dass Buch nicht verstanden zu haben. Dann habe ich ein Interview mit dem Autor gelesen und erfahren, dass das Ende gewollt offen bleibt. Es gab einfach nichts zu verstehen. Das heißt nicht, dass ich im Allgemeinen etwas gegen offene Enden habe, aber in diesem Fall habe ich mich ein wenig veräppelt gefühlt. Als würde man einem Krimi lesen und am Ende den Täter nicht erfahren, ganz ohne Andeutung. Das geht in meinen Augen nicht. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.

„Sie brauchen sich Ihrer Angst nicht zu schämen, Angst zu haben ist ein Zeichen von gesunden Menschenverstand. Die Einzigen, die keine Angst haben, sind die hoffnungslosen Dummen. Das habe ich in einem Buch gelesen.“

Fazit:
„Das Spiel des Engels“ von Carlos Ruiz Zafon ist insgesamt betrachtet ein lesenswertes Buch, dass vor allem durch die Liebe zur Literatur und viel Spannung glänzt. Auch wenn mich das Ende nicht zufrieden stellen konnte, habe ich das Lesen doch sehr genossen.

Bewertung:

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3 Antworten to “Das Spiel des Engels.”

  1. Favola November 17, 2011 um 3:53 pm #

    Ah, dieses Buch steht auch noch ungelesen in meinem Regal . . . Ich war so begeistert von „Schatten des Windes“, dass ich mich nun kaum ranwage . . .

    • Die Leserin. November 17, 2011 um 5:41 pm #

      Mir hat das Buch viel Freude bereitet, allerdings muss man mit dem Ende klar kommen. Ich werd mir auf jeden Fall „Schatten des Windes“ noch besorgen. Habe bist jetzt nur Gutes gehört :)

  2. Blauraum November 24, 2011 um 10:16 am #

    Ja, gerade beim Ende war ich mir auch unschlüssig. Ich habe es dann aber letztlich verbucht als positiv.

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