Die Reise des Elefanten.

21 Jan

José Saramago
Die Reise des Elefanten

Fester Einband: 235 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 29.06.2010
ISBN 9783455402797
19,95€
Genre: Gegenwartsliteratur

Portugal im 16. Jahrhundert: Der Elefant Salomon und sein Mahut Subhro führen ein unscheinbares Leben am portugieischen Königshof, bis eines Tages Johann III. und seine Gemahlin Katharina von Kastilien auf die Idee kommen, ihrem Vetter Erzherzog Maximilian von Wien den Elefant zum Geschenk zu machen. Für das exotische Tier und seinen Hüter beginnt eine turbulente Reise quer durch Europa, bei dem der Autor auf wunderbare Weise Fiktion und Realität miteinander verknüpft.

„Die Vergangenheit ist eine riesige Steinwüste, die viele am liebsten wie auf einer Art Autobahn durchqueren, während andere geduldig von Stein zu Stein wandern und jeden einzelnen hochheben, weil sie wissen müssen, was sich darunter befindet.“

Die Reise des Elefanten vom verstorbenen Nobelpreisträger José Saramago beruht auf einer wahren Begebenheit, die sich wohl so oder so ähnlich zugetragen hat. Aber natürlich lässt es sich der Autor nicht nehmen, seine ganz eigenen Gedanken und Ideen hineinfließen zu lassen. Mit viel Ironie betrachtet er die verschiedenen Charaktere, die uns im Verlauf der Geschichte begegnen. Immer dabei sind natürlich der Elefant Salomon und sein indischer Pfleger, dessen offizielle Bezeichnung Mahut ist. Der Mahut ist ein durchtriebener Kerl, der sein Herz jedoch am rechten Fleck zu haben scheint. Er kümmert sich liebevoll um den gutmütigen und gefrässigen Elefanten.

Das Buch setzt eher auf die leisen Töne. Den Leser erwartet keine unheimlich spannende Geschichte, sondern eher eine kluge Aueinandersetzung mit der Geschichte und den menschlichen Schwächen. Humor kommt dabei nicht zu kurz. Allerdings gab es den ein oder anderen Abschnitt, der mich Zwang ein paar Zeilen zu überfliegen. Zu langatmig wurden die Ausführungen von Saramago.

„Im Grunde ist die Geschichte nicht nur selektiv, sondern auch vorurteilsbehaftet, denn sie entnimmt dem Leben nur das Material, das sie interessiert und das von der Gesellschaft als historisch erachtet wird, während sie den ganzen Rest, der vielleicht die wahre Erklärung für die Fakten und Dinge, für diese verdammte Realität liefern könnte, missachtet.“

In meinen Augen war José Saramago ein Philosoph, der es verstand seine klugen Weisheiten in seine Geschichten hineinzuweben. Sein Schreibstil ist gewohnt ausschweifend und anspruchsvoll, aber dennoch angenehm zu lesen.

Fazit:
Die Reise des Elefanten von José Saramago ist sprachlich gesehen ein weiteres Meisterwerk des Autors, allerdings konnte mich das Buch inhaltlich nicht völlig überzeugen. Einige Abschnitte waren mir zu ausschweifend. Dennoch verbirgt sich hinter diesem Werk eine originelle Idee und eine scharfe Analyse menschlicher Schwächen. Das Lesen lohnt sich auf jeden Fall.

Bewertung:

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Eine Antwort to “Die Reise des Elefanten.”

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  1. Wochenrückblick #03 2012 « Durchgelesen. - Januar 22, 2012

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