Darf man das?

23 Jan

Darf man das? – das Frage ich mir seit einigen Tagen. Letzte Woche bin ich das erste Mal auf das Thema aufmerksam geworden: Ein britischer Verleger will Auszüge aus Hitlers Mein Kampf, mit Kommentaren versehen, als Zeitschrift auf dem deutschen Markt veröffentlichen. Ich glaube sogar noch diese Woche. Seitdem habe ich mehrere Berichte zum Thema in TV und Internet gefunden. Die Meinungen darüber sind unterschiedlich, doch wie ich herauslesen konnte, ist ein Großteil der Meinung: ja man darf!

Und dieser Meinung kann ich mich nur anschließen. Seit nunmehr fast 70 Jahren hält die bayerische Regierung das Buch unter Verschluss. Googelt man jedoch, kommt man leicht an den Originaltext heran. Und ich finde da ist auch nichts dabei. Es handelt sich nun mal um ein historisches Dokument. Das darin ein wahnsinniger seine Gestörten Wahrheiten preisgibt, ist uns sicherlich allen bewusst. Aber warum haben manche so große Angst davor dieses Buch zu veröffentlichen? Ich bin mir sicher, dass unsere Gesellschaft gefestigt genug ist, um dieses Buch zu lesen, ohne in alte Überzeugungen zurück zu fallen. Macht ein Verbot das Buch nicht auch viel geheimnisvoller und interessanter als es eigentlich ist?

Ich stehe der Veröffentlichung jedenfalls sehr positiv gegenüber, vor allem wenn eine Ergänzung durch Kommentare von Historikern stattfindet. Dieser Teil gehört nun mal zu unserer Geschichte – egal wie wahnsinnig und verrückt er ist. Ich denke eine objektive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gehört zu einer aufgeklärten Gesellschaft.

Habt ihr auch schon davon gehört? Wie ist eure Meinung?

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9 Antworten to “Darf man das?”

  1. Julia Januar 24, 2012 um 12:21 pm #

    Ich kann mich deiner Meinung da nur anschließen. Als geschichtliches Dokument ist es durchaus wertvoll, zumal in einer kommentierten Form. Und wie du sagst: Wenn man will, kommt man sowieso jetzt schon an den Originaltext heran. Ich würde noch hinzufügen: Da die Brautpaare damals zu ihrer Eheschließung auch immer eine Ausgabe „geschenkt“ bekamen, wird es wohl noch so einige Haushalte in Deutschland geben, die das sowieso noch irgendwo rumstehen haben.
    Ich finde: Gerade, wenn man verhindern will, dass so etwas noch einmal passiert, muss man alles rücksichtslos offenlegen und breit aufklären.

    • Die Leserin. Januar 24, 2012 um 7:18 pm #

      Danke, du sprichst mir aus dem Herzen!

  2. nerwenelensar Januar 24, 2012 um 11:13 pm #

    Auch ichn kann mich der Meinung nur anschließen, vorallem durch die Kommentare der Historiker wird es ja belebt.
    Man darf gespannt sein

  3. nettebuecherkiste Januar 25, 2012 um 3:43 pm #

    Ihr habt recht. Das Buch zu veröffentlichen, ist auch ein Anrennen gegen das Vergessen, es muss aber natürlich entsprechend kommentiert werden, was ja offenbar der Fall ist. Ich kann es nicht fassen, wie wenig manche über die Vergangenheit unseres Landes informiert sind.

    • Die Leserin. Januar 25, 2012 um 5:59 pm #

      Leider habe ich vorhin gelesen, dass der Verleger der Zeitschrift einen Rückzug gemacht hat. Die Ausgabe wird produziert, aber die Auszüge aus „Mein Kampf“ werden verschwommen dargestellt, sodass man nichts lesen kann. Die bayerische Regierung hat wohl schon eine Klage eingereicht und da hat er kalte Füße bekommen. In 3 Jahren laufen jedoch die Rechte an dem Buch aus, weil Hitler dann 70 Jahre Tod ist. Dann wird es so etwas sicherlich geben. Dennoch finde ich es ziemlich prüde von der Regierung gegen die Zeitschrift vorzugehen. Sie dient ja nicht der Volksverhetzung, sondern zur geschichtlichen Aufklärung. Und da eh jeder über das Internet darauf zugreifen kann, ist es noch lächerlicher. Ich find es wirklich schade! Ich freue mich aber, dass ihr, wie viele andere auch, meiner Meinung seid.

  4. Bücherliebhaberin Januar 27, 2012 um 10:02 pm #

    Ja, dieses Thema wird uns noch lange begleiten. War es doch schon 2009 ähnlich mit den damals erschienen Zeitungszeugen (http://zeitungszeugen.de/) Auch hier wurden Auszüge aus „Mein Kampf“ verboten. Mit dieser Einstellung wird das Buch doch gerade erst zum Mythos und so für viele interessant. Ich bin auf jeden Fall auch deiner Meinung.

    • Die Leserin. Januar 28, 2012 um 7:20 pm #

      Du sagst es, aber wenn die 70 Jahre dann endlich um sind, wird das Theater ja hoffentlich ein Ende haben.

  5. nantik Januar 29, 2012 um 11:11 am #

    Na ja, es ist ja nicht so, dass „Mein Kampf“ in Deutschland verboten wäre. Viele Bibliotheken/Büchereien (auch kleine, auch ländliche) haben es zum Beispiel ganz legal im Bestand. Klar, man muss als Leser explizit danach fragen und wenn man es sich ausleihen will, muss man einen Wisch unterschreiben, dass man es zu Studienzwecken lesen möchte, damit sich die Bib rechtlich absichern kann. Auch kann man das Buch ganz normal in einer Buchhandlung bestellen. Es darf dort eben nur nicht in den Regalen stehen. Außerdem dürfen Buchhändler den Verkauf des Buches verweigern. Und im Netz kann man sich „Mein Kampf“ eh runterladen… Von einem wirklichen Verbot kann also keine Rede sein (obwohl es natürlich möglich ist, dass das in Bayern alles strenger gehandhabt wird, keine Ahnung, ich bin ein Nordlicht).
    Ganz ehrlich? Natürlich ist die Gefahr groß, dass irgendwelche Neonazis und Faschisten das Buch lesen und es für ihre Zwecke interpretieren und nutzen. Das findet doch aber jetzt auch schon statt. Dann lieber gleich komplett öffentlich machen und mit Anmerkungen drucken, damit die Höllenfratze den Schrecken verliert und vernünftig darüber diskutiert werden kann. Nur wenn etwas seinen Schrecken verliert, verliert es auch einen großen Teil der Faszination. An „Mein Kampf“ sollte, darf und muss heute nichts mehr faszinierend sein. Und den Schrecken sollten wir auch abschaffen, sondern lieber eine kritische Denkweise zu diesem Elaborat in unseren Alltag integrieren.

    • Die Leserin. Januar 29, 2012 um 11:42 am #

      Danke für deinen kritischen Kommentar. Du hast da ganz recht. Ich denke vor allem, wenn man es ohne Umstände den Leuten zugänglich macht, würden viele merken was das eigentlich für ein Stuss ist. Und wie bereits mehrfach erwähnt … wenn man will, kommt man ja doch dran. Das hast du ja schön beschrieben. Deshalb weiterhin mein Unverständnis, warum eine Zeitung verklagt wird, weil sie Auszüge veröffentlichen will.

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