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Isenhart.

11 Feb

Holger Karsten Schmidt
Isenhart

Fester Einband: 816 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 01.09.2011
ISBN: 9783462043327
19,99 €
Genre: Historische Romane

Anno Domini 1171: In einer Hütte im Wald gebärt eine Frau eine Totgeburt, doch ein Fremder haucht dem Kind neues Leben ein. Das schmächtige Geschöpf überlebt – von nun an nennt man es Isenhart. Weil die Mutter bei der Geburt verstarb, nimmt sich Walther von Ascisberg dem Jungen an. Isenhart wächst auf der Burg Laurin bei der Familie eines Schmieds auf. Der wissbegierige Junge erhält das Privileg mit dem Sohn aus dem Hause Laurin unterrichtet zu werden. Sein Leben scheint perfekt, doch eines Tages findet Isenhart seine große Liebe Anna von Laurin ermordet im Wald. Ihr Torso ist geöffnet – das Herz entfernt. Der Täter scheint schnell gefunden, doch als einige Jahre später eine ähnlich zugerichtete Frauenleiche auftaucht, ist sich Isenhart sicher, dass ein Serienmörder dahinter steckt. Und so beginnt eine gefährliche Jagd mit ungewissem Ausgang …

Isenhart von Holger Karsten Schmidt ist eine Mischung aus historischen Roman, Krimi und Thriller und wurde bereits verfilmt. Vielleicht lag hier mein Problem. Bevor ich dieses Buch gelesen habe, hatte ich bereits den Film gesehen, wenn auch (zum Glück) nicht sehr aufmerksam. Und so wusste ich in etwa was passiert. Deshalb konnte mich der Inhalt natürlich nicht wirklich überraschen.

Eine Stärke des Buches ist die Schilderung der Probleme zwischen Kirche und Wissenschaft. Der wissensdurstige Isenhart ist seiner Zeit weit voraus. Als er einen Flugapparat entwickelt, muss er mit einem Finger dafür bezahlen. Man bekommt zu spüren, wie wenig Toleranz die Kirche gegenüber der Wissenschaft zeigt, denn natürlich hätte das ihre Grundfesten erschüttert.
Allerdings hätte ich mir im Allgemeinen mehr Bezüge zur Geschichte gewünscht. Denn genau da liegt für mich der Mehrwert historischer Romane. Natürlich erfahren wir am Anfang einiges über die Kreuzzüge, Barbarossa und die Tempelritter. Allerdings wird es im Verlauf der Geschichte immer weniger.

Die Charaktere sind mir schnell ans Herz gewachsen. Ich habe mit ihnen und ihrem Schicksal mitgefiebert, aber manchmal hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Wir wissen natürlich, dass Isenhart von einem unendlichen Drang nach Wissen bestimmt ist, aber viel mehr erfahren wir auch nicht über ihn. Ähnlich ist es mit den anderen Figuren.

Fazit:
Isenhart von Holger Karsten Schmidt ist eine nette Mischung aus historischen Roman und Thriller, die viele gute Ansätze hat, aber doch immer ein ABER mit sich bringt. Das Buch ist durchaus lesenswert und spanned, teilwese aber auch langatmig. Da war es übrigens wieder – das ABER!

Bewertung

Süden

13 Jan


Friedrich Ani
Süden

Fester Einband: 363 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 10.03.2011
ISBN 9783426199077
19,99 €
Genre: Gegenwartsliteratur

Nachdem Tabor Süden einen Anruf von seinem verschwundenen Vater erhält, kehrt er nach München zurück. Dort hat er viele Jahre bei der Polizei in der Abteilung für Vermisstenfälle gearbeitet. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, heuert er bei einer privaten Detektei an, die ebenfalls Vermisstenfälle untersucht. Sein erster Fall beschäftigt sich mit dem Gastwirt Raimund „Mundl“ Zacherl, der vor 2 Jahren plötzlich verschwand. Bisher gab es keine Spur, doch Süden gelingt es mehr über den passionierten Koch herauszufinden …

Süden ist mein erster Krimi von Friedrich Ani und es fällt mir schwer eine gerechte Beurteilung zu schreiben. Ich möchte nicht behaupten, dass mich dieses Buch gelangweilt hat, aber auch nicht wirklich gefesselt. Ich kann nicht mal genau sagen, was mich daran gestört hat. Vielleicht lag es an den vielen Andeutungen und kurzen Einblicken in das Leben von Süden und einigen anderen Charakteren, die nie wirklich aufgelöst wurden. Es gab immer nur vage Andeutungen.
Was mir bei diesem Buch außerdem auffiel, war der ständig beschriebenen Alkoholkonsum. Egal was Tabor Süden macht oder wen er trifft – es gibt immer viel zu trinken. Diese Tatsache ist einfach unnatürlich und nervig. Man könnte meinen, jede 2. Person in diesem Buch hat ein größeres Alkoholproblem …

Aber es gab natürlich auch Höhepunkte. Dazu gehörte für mich zweifelsohne die Begegnung zwischen Süden und dem 12-jährigen Benedikt, der in schwierigen Familienverhältnissen aufwächst. Der ehemalige Polizist scheint sich hier wieder zu erkennen und zeigt gegenüber dem Jungen viel Mitgefühl. Diese Szene hat mich sehr gerührt. Ich hätte mir allerdings mehr davon gewünscht, denn hier gelangt man einmal unter die scheinbar so harte Schale des Tabor Süden.

Fazit:
Süden von Friedrich Ani ist ein Krimi, der mich nicht wirklich überzeugen konnte. Das Buch liest sich flüssig, doch habe ich nie den richtigen Zugang gefunden. Es gibt ein paar wirklich gute und vor allem rührende Szenen, aber der Rest vom Buch plätscherte eher so vor sich hin und war recht vorhersehbar. Ich weiß, dass dieses Buch vielen gut gefallen hat – leider erging es mir nicht so!

Bewertung:

Strindbergs Stern.

30 Aug

Jan Wallentin
Strindbergs Stern

508 Seiten
Fischer, 21. März 2011
Hardcover

ISBN: 9783100905147

Bei einer Tauchtour in einem längst vergessenen Bergwerk macht Erik Hall einen unglaublichen Fund: Eine Leiche hält ein ungewöhnliches Kreuz aus unbekannten Material in ihren Armen. Der Taucher entwedet das Kreuz und benachrichtig die Polizei. Natürlich bekommt die Presse davon Wind und plötzlich scheinen sich alle für den seltsamen Fund zu interessieren. Nur einer nicht – Don Titelman. Erik Hall versucht vergeblich sich mit dem Professor für Geschichte und Symbolik in Verbindung zu setzen. Als Don Titelman endlich nachgibt und sich auf den Weg zu dem Taucher begibt, findet er nur noch seine Leiche. Und plötzlich beginnt eine heiße Jagd, bei der es um Leben und Tod geht …

Es fällt mir sehr schwer dieses Buch zu bewerten. Irgendwie liegt es zwischen Gut und Böse. Aber warum?

Erst einmal möchte ich ein Lob für die tolle Aufmachung aussprechen. Das war mal wieder so ein Buch, dass man sieht und einfach lesen möchte. Es handelt sich um ein Hardcover mit gut gestalteten Schutzumschlag.

Doch nun zum Inhalt. Ich habe schnell Zugang zu dem Buch gefunden. Der Anfang ist sehr vielversprechend und spannend, der Schreibstil schlicht und flüssig. Schnell wird klar, dass hier ein unfassbares Geheimnis im Mittelpunkt steht. Doch irgendwann kam der Moment, an dem ich mich das erste Mal gewundert habe. Eine der Hauptpersonen verfügt über übersinnliche Kräft. Das mag so gar nicht zu dem bisher so realistischen Buch passen. Allerdings kann man mit diesem kleinen Ausflug ins Fantastische noch gut Leben. Anders sieht es aus, wenn man zum Ende des Romans vordringt. Die Ereignisse überschlagen sich auf einmal und es wird immer fantastischer. Schließlich gab es den Zeitpunkt, an dem ich nur noch mit dem Kopf schütteln konnte. Jeglicher Sinn für Realität war verschwunden. Das passte einfach nicht zum Rest. Eine Auflösung um das große Geheimnis wird auch nicht gegeben. Es gibt nur schwammige Andeutungen, die alles oder nichts bedeuten könnten. Man schlägt das Buch zu und fragt sich, was man da gerade gelesen hat. So erging es jedenfalls mir.

Ganz anders sind dagegen die Passagen, in denen der Protagonist über die Vergangenheit seiner Großmutter berichtet. Weil sie Jüdin war, wurde sie im 2. Weltkrieg in ein Konzentrationslager verschleppt und musste Höllenqualen durchleiden. All das schildert Don Titelman realistisch und nüchtern. Man merkt, dass ihm die Geschichte seiner Großmutter tief bewegt. Hier liegt auch der Grund für sein Medizinstudium und seine späteren Forschungen über das Dritte Reich. So erfährt man auch an den entsprechenden Stellen wichtige Fakten über die Nazis, ihre Ideologie und Organisationen. Diese Passagen sind wirklich gut geschrieben und sehr informativ – sie bilden einen krassen Kontrast und holen die Handlung wieder auf den Boden.
Diese nüchternen Beschreibungen und die absolut fantastischen Elemente wollen in meinen Augen einfach nicht zusammen passen. Dabei hat das Buch durchaus großes Potenzial und einen gelungenen Spannungsboden.

Was mir beim Lesen außerdem aufgefallen ist: Parallelen zur Millenium-Trilogie von Stieg Larsson. Man nehme eine verrückte Hackerin, die Presse und ein großes Geheimnis und schon hat man das Rezept für einen tollen Thriller! Oder nicht? Das muss jeder Leser für sich selber entscheiden.

Fazit:
Strindbergs Stern von Jan Wallentin ist ein Roman, der zwischen Realität und Fantasie verloren geht. Das Buch hat viel Potenzial und durchaus seine Daseinsberechtigung, aber das abstruse Ende lässt den geneigten Leser verzweifeln. Für mich ist es ein Buch zwischen Gut und Böse.

Was mich interessieren würde: Habt ihr das Buch schon gelesen? Wie findet ihr es? Ich war so verwirrt nach em Ende und würde mich total gerne mit jemanden darüber austauschen.

Bauernfänger.

19 Jul

Joachim Rangnick
Bauernfänger

365 Seiten
List Taschenbuch, 10. Juni 2011
Broschiert

ISBN: 9783548610481

Der Journalist und Hobbyfotograf Robert Walcher macht bei einer Fototour eine schreckliche Entdeckung. In einer abgelegenen Villa am Bodensee findet er die Leiche eines älteren Mannes und einen merkwürdigen Ordner. Ohne die Polizei zu benachrichtigen, verlässt Walcher das Anwesen, nimmt jedoch den Ordner mit der Aufschrift „Company“ mit. Zu Hause prüft er dessen Inhalt – es scheint sich dabei um die Zusammenstellung eines Verrückten zu handeln, denn niemals können die abgedruckten Fakten der Wahrheit entsprechen. Oder vielleicht doch? Als Walcher ein paar Tage später den Kadaver eines Schweins in seinem Keller findet, wird ihm bewusst, dass er zufällig in eine Sache geraten ist, die er besser hätte ruhen lassen sollen. Sein Wissen über den Tod des Mannes und die Existenz der Company wird ihm zum Verhängnis und es beginnt ein Kampf um Leben und Tod.

„Bauernfänger“ von Joachim Rangnick beginnt vielversprechend und hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Der Schreibstil ist unkompliziert und gut verständlich. Das Lesen hat mir viel Spaß gemacht, bis ich an einen gewissen Punkt kam. Dann wurden die Fakten um die ominöse Company konkreter und ich musste mich fragen, ob so etwas denn wirklich sein kein. Natürlich – es handelt sich um Fiktion, aber ein gewisser Grad an Glaubwürdigkeit sollte für mich gegeben sein. Dieser ging mir irgendwann verloren. Die ganze Geschichte um die Company wurde immer abstruser, ja, unglaubwürdiger. Der Roman nahm richtig fahrt auf und plötzlich überschlugen sich die Ereignisse. Insgeheim hatte ich gehofft, dass irgendwann noch eine ganz simple Auflösung kommen würde, stattdessen wurde die Geschichte immer weiter gesponnen.

Auf dem Cover wird das Buch ausdrücklich als Kriminalroman ausgeschrieben, allerdings verstehe ich darunter etwas anderes. Auftragskiller, ein weltweit agierendes Netzwerk und viele Todesfälle – das klingt für mich eher nach einem Thriller. Vielleicht sollte man diese Zuordnung noch einmal überdenken.

Neben diesen Kritikpunkten, gibt es aber auch einige positive Erscheinungen im Buch. Ganz besonders gut gefiel mir die Figur der Frau Zehner. Diese alte gebrechliche Dame betreibt einen Tante-Emma-Laden und ist gleichzeitig Dreh- und Angelpunkt für sämtlichen Dorfklatsch. Besonders liebenswürdig erscheint sie durch ihre „Lottokasse“, in die Walcher regelmäßig einzahlt, ohne dabei wirklich Lotto zu spielen. Stattdessen gibt sie das gesammelt Geld an Menschen weiter, die darauf wirklich angewiesen sind.
Kurz vor dem Ende hat es Rangnick sogar noch einmal geschafft, mich richtig zu schocken. Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht zu viel verraten – nur so viel: Ein schwerer Schicksalsschlag trifft Robert Walcher. Und auch mich hat diese Wendung getroffen. Selten bin ich beim Lesen bestürzt, doch diese eine Szene hat es tatsächlich geschafft.

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte über die Gestaltung des Buches verlieren, denn diese kann sich wirklich sehen lassen. Das Cover finde ich sehr schön und ansprechend, auch wenn es vielleicht etwas zu unspektakulär für den Inhalt ist. Aber ich mag es schlicht. Auch die Kapitel und Textpassagen laden durch ihre Anordnung und Typografie zum Lesen ein.

Fazit:
„Bauernfänger“ ist sicher kein schlechtes Buch und hat durchaus Unterhaltungswert, allerdings ist es mir für einen Krimi einfach zu fantastisch und zu konstruiert.

Bewertung:

Der Hodscha und die Piepenkötter.

26 Apr

Birand Bingül
Der Hodscha und die Piepenkötter

316 Seiten
Rowohlt Polaris, 02. Mai 2011
Flexibler Einband

ISBN: 9783862520152

Ursel Piepenkötter ist amtierende Oberbürgermeisterin und steht kurz vor den Wahlen. Ihrer Wiederwahl scheint nichts im Wege zu stehen, doch da taucht der neue Imam des Moscheevereins Gabrielstraße auf – Nuri Hodscha. Plötzlich ist die Rede vom Bau einer neuen Großmoschee. Die Piepenkötter, ihre Partei und Wählerschaft sind in Aufruhr. Der neue Hodscha muss gebremst werden. Und so entsteht ein erbitterter Kampf zwischen dem neuen Hodscha und der Bürgermeisterin. Die beiden ziehen dabei alle Register und spannen selbst ihre Kinder in ihre fiesen Attacken mit ein.
Wird es Ursel Piepenkötter dennoch gelingen die Wahl für sich zu entscheiden?

Zunächst einmal möchte ich die tolle Aufmachung von diesem Buch loben. Ich habe es in die Hände bekommen und hatte sofort Lust zum Lesen. Der Einband ist sehr farbenfroh, aber dennoch passend gestaltet. Für die Kapitel und Texte wurde eine schöne und passende Typografie verwendet – das tut dem Auge gut.

Inhaltlich konnte mich das Buch zunächst auch überzeugen. Der Roman beginnt mit einer netten Anekdote zu der Stadt, in der das ganze Geschehen spielt. Außerdem ist das Thema Muslime und Deutsche sehr interessant und vor allem brandt aktuell. Leider blieb der Rest des Buches hinter meinen Erwartungen. Ich hatte erwartet, dass das Thema mit stärkeren Argumenten beleuchtet werden würde, aber alles was ich fand, waren die immer gleiche Argumente, die man schon sooft bei politischen Talkshows gehört hat. Hinzu kommt, dass das Buch sehr schnell konstruiert wirkte und vorhersehbar wurde. Das Ende konnte mich dann auch nicht mehr überraschen.
Für die Charaktere hätte ich mir an manchen Stellen mehr Tiefe und Schlagfertigkeit gewünscht.

Dennoch kann ich nicht behaupten, dass ich mich beim Lesen gelangweilt habe. Der Schreibtstil von Bingül ist flüssig und humorvoll. Die Seiten flogen nur so dahin, was natürlich auch an den vielen Dialogen liegen kann.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei Vorablesen und dem Rowohlt Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares bedanken.

Fazit:
Der Hodscha und die Piepenkötter von Birand Bingül ist ein nettes Buch für zwischendurch mit seichtem Humor, aber zu wenig politischer Tiefe.

Bewertung: