Archiv | Comics, Graphic Novels & Illustrationen RSS feed for this section

Karl May – Die ganze Wahrheit.

25 Feb

Christian Moser
Karl May – Die ganze Wahrheit

Flexibler Einband: 158 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 25.01.2012
ISBN 9783551786944
12,90 €
Genre: Comic, Biografie

Karl May gehört mit weltweit über 200 Millionen verkauften Bücher zu den meistgelesensten deutschsprachigen Autoren. Der 1842 in Ernstthal geborene Sohn einer verarmten Weberfamilie schuf zahlreiche Romane über fremde Länder und Kulturen und erlangte damit große Beliebtheit, die bis heute anhält. Doch der Weg zum erfolgreichen und wohlhabenden Autor war ein langer und steiniger.

In Karl May – Die ganze Wahrheit erfahren wir von Old Shatterhand, einer seiner bekanntesten Romanfiguren, die Lebensgeschichte dieses kuriosen Autors. Bevor ich zu dem Buch griff, war mir wenig über May bekannt. Natürlich war mir Winnetou ein Begriff. Auch wusste ich, dass er im Gefängnis saß und seine Romane eher hanebüchen als realistisch waren – aber das war es auch schon. Mit dieser Lektüre konnte ich mein Wissen ausbauen. Christian Moser hat es geschafft, mein Interesse für die Person Karl May zu wecken, weniger für seine Bücher.

Doch was macht ihn so besonders? Nun, Karl May war ein ebenso fantasievoller wie verrückter Mann. Sicherlich wurde er von den ärmlichen Verhältnissen geprägt, unter denen er aufwuchs. So mag es kaum verwundern, dass er das erste Mal als Dieb und Betrüger auf sich aufmerksam machte.

„Im März 1869 betrat er als ‚Polizeileutnant von Wolframsdorf‘ den Krämerladen Reimann in Wiederau. Bei der Durchsuchung der Kasse konnte er einige Taler zweifelsfrei als Falschgeld identifizieren. Die Blüten wurden unverzüglich beschlagnahmt. Dass er zudem eine Taschenuhr konfiszierte, war nur ein Akt verspäteter Gerechtigkeit – immerhin hatte er für diesen Diebstahl ja bereits im Voraus bebüßt."

So kreativ er seine Diebstähle auch tarnte, dummerweise wurde er immer wieder überführt. Und so verbrachte er einige Jahre im Gefängnis. Irgendwann kam aber der Zeitpunkt an dem er seine Leidenschaft für das Schreiben entdeckte und mit seiner unrühmlichen Vergangenheit abschloss. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, wurden seine Geschichten bald ein Erfolg. Warum sie so erfolgreich wurden, scheint aus heutiger Sicht schleiferhaft. So schreibt Moser folgendes über Mays Werke:

„Später wurde ihm oft zum Vorwurf gemacht, er habe bisweilen Seitenlange Landschaftsbeschreibungen einfach wörtlich aus der Fachliteratur übernommen – doch wozu hätte er etwas ändern sollen?“

„Am Ende dieses dreibändigen Dramas um die Geldgier und Mutterliebe präsentierte Karl eine wirklich erstaunliche Lösung: […] Die wahre Mutter der beiden Bender-Brüder war indes niemand anderes als der geheimnisvolle Krieger Kolma Puschi, der freilich kein Mann war, sondern die als Transvestit umherziehende Emily Bender, gebürtige Tehua.“

Zur damaligen Zeit war es sicher aufregend für die Menschen etwas über fremde Kulturen zu erfahren. Wer konnte es sich schon leisten dahin zu reisen? Das sich der Autor seine Beschreibungen aus Fantasie und Fachliteratur zusammenreimte, schien nur nebensächlich – wer sollte es auch überprüfen? So war es interessant zu erfahren, dass die allseits bekannte Blutsbruderschaft kein indianisches Ritual ist, sondern lediglich die Idee Mays.

Besonders gelungen finde ich die Erzählung durch Old Shatterhand. Anscheinend projezierte May sich in seinen Protagonisten, weshalb an manchen Stellen Realität und Fiktion verschwimmen. Das macht das Buch besonders lesenswert und interessant. Ebenso gelungen ist Mosers – äh Old Shatterhands – Schreibstil. Ich liebe seine muntere und ironische Erzählweise. Er spricht mir damit sooft aus dem Herzen.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch. Für meinen Geschmack hat Christian Moser zu viele Inhalte aus Mays Werken wiedergegeben. Natürlich gehört das zu einer Biografie. Oft hat er diese Zusammenfassungen auch wirklich knackig und ironisch aufbereitet, aber an manchen Stellen war es zu langatmig. Eins hat Moser auf jeden Fall geschafft – mich vor dem Lesen der Werke eines Karl May bewahrt. Vorerst zumindest. Die Bücher scheinen so abstrus, dass sich das Lesen wahrscheinlich schon fast wieder lohnt. Wenn ich sie jemals lese, dann werde ich sie ganz bestimmt auf sämtliche Widersprüche untersuchen.

Fazit:
Christian Moser bietet uns mit Karl May – Die ganze Wahrheit ein amüsantes und kurzweiliges Buch, welches sehr gut recherchiert ist. Die farbenfrohen Zeichnungen sind wie immer ein Genuss für das Auge. Wer mehr über das Leben und Schaffen von Karl May erfahren möchte und dabei auf trockene Biografien verzichten möchte, findet in diesem Buch genau das Richtige.

Bewertung:

Weltliteratur für Eilige.

7 Nov

Henrik Lange
Weltliteratur für Eilige

128 Seiten
Droemer Knaur, 1. Juli 2010
Taschenbuch

ISBN: 9783426783313

Es gibt bestimmte Bücher, die ordnet man in die Kategorie Weltliteratur ein. Weltliteratur? Was ist das eigentlich? Wikipedia sagt das:

„Zur Weltliteratur werden Werke gezählt, die über nationale und regionale Grenzen hinweg große Verbreitung gefunden haben und die gleichzeitig als für die Weltbevölkerung bedeutsam erachtet werden.“

Jedenfalls gibt es diese Bücher, bei denen behauptet wird, dass man sie gelesen haben muss. Sicherlich, es gibt viele Bücher die sich zu lesen lohnen. Aber das Prädikat „Weltliteratur“ muss nicht immer für Lesegenuss stehen. Nicht jeden interessiert alles, aber trotzdem ist es doch schön mitreden zu können. Und man kann mitreden! Alles was man dafür braucht, ist dieses kleine wunderbare Buch, welches mehr als 70 Klassiker der Literatur in einseitigen Comics zusammenfasst.

„Weltliteratur für Eilige“ ist ein kleines ironisches Helferlein im Urwald der Literatur. Worum es noch mal bei Romeo & Julia ging? Kein Problem – Seite aufgeschlagen und in einer Minute nachgelesen. Große Werke in einseitigen Comics zusammenfassen? Ihr meint das geht nicht? Und es geht doch. Zugegeben, die Zeichnungen sind nicht gerade das, was man als schön bezeichnen würde, aber sie erfüllen ihren Zweck. Sie wirken wie die Werke eines Kindes oder aber eines wenig begnadeten Zeichners. Aber irgendwie macht gerade das den Charme dieses Buches aus. Es wirkt schrullig und skurril. Und genau so sind manche der beschriebenen Werke.

Beim Lesen bin ich natürlich über viele bekannte Werke gestoßen, mit denen ich mich in der Schule quälen musste oder die ich freiwillig gelesen habe, einfach weil sie gut sind. In diesen Fällen fand ich es einfach schön noch einmal eine komprimierte Zusammenfassung zu erhalten. Besonders gut gefiel mir dabei die Ironie, mit der die teilweise stumpfsinnigen oder langweiligen Werke betrachtet wurden.
Neben den mir bekannten Büchern, gab es auch eine Reihe, die ich zwar kenne, aber nie gelesen habe oder gar Bücher, deren Existenz bisher spurlos an mir vorübergegangen ist. Wusstet ihr zum Beispiel, dass es eine literarische Vorlage für „I am legend“ gibt? Ich nicht …
Aber das ist auch das schöne an diesem Buch. Man entdeckt sogar etwas neues. Man merkt: „Wow, das klingt interessant! Das könnte ich auch mal lesen.“ Wobei ich vorsichtig beim Lesen war. Romane, die sich bereits auf meinem SUB befinden oder noch den Weg in mein Regal finden werden, habe ich ausgelassen. Denn man erfährt auch das Ende der Werke. Das möchte ich nun wirklich nicht wissen, unmittelbar bevor ich ein Buch lese.

Fazit:
„Weltliteratur für Eilige“ von Henrik Lange bietet ein kurzweiliges Leseabenteuer quer durch die weitreichende Landschaft der Literatur. Egal ob Science Fiction, Drama oder Historischer Roman – in diesem comicartigen Buch hat jedes Werk, das scheinbar zum auserwählten Kreis der Weltliteratur gehört, seinen Platz. Kurz, knackig und humorvoll werden die Inhalte grafisch und textuell wiedergegeben. Ein echter Spaß für jeden Literaturliebhaber.

Bewertung:

Nietzsche.

31 Okt

Michel Onfray | Maximilien Le Roy
Nietzsche

128 Seiten
Knaus A., 1. August 2011
Hardcover

ISBN: 9783813504309

Friedrich Nietzsche gehört zu Deutschlands bekanntesten Dichtern und Philosophen. Er führte ein eher kurzes, aber bewegtes Leben, welches am Ende von schwerer Krankheit gezeichnet war. Mit Nietzsches Ausspruch „Gott ist tot“ durfte ich mich schon zu meiner Schulzeit auseinander setzen. Doch wer war diese bedeutende Persönlichkeit wirklich? Und was waren die Kernaussagen seiner Philosophie?

All diese Fragen werden in der Graphic Novel „Nietzsche“ aufgegriffen und näher beleuchtet. Wir begleiten Nietzsche von Kindesbeinen an bis hin zu seinem Tod. Dabei lernen wir nicht nur seine Denkweise kennen, sondern auch sein Umfeld und seine Lebensbedingungen. Dazu braucht es meistens nicht viel Text. In diesem Buch sprechen vor allem die Bilder. Die Zeichnungen verdienen ein besonderes Lob. Sie sind detailreich, ausdrucksstark und farbenprächtig. Je nach Lebensabschnitt und Situation sind sie in ein bestimmtes Farbschema getaucht. Einfach wunderschön, ein Genuss für das Auge.
Durch die Kombination der Zeichnungen und Ausschnitten aus Nietzsches Leben und Werken bekommt der Leser einen kurzen, aber umfassenden Einblick. Mein Wissen über Friedrich Nietzsche war vor diesem Buch sehr beschränkt. Natürlich bin ich auch jetzt noch kein Experte, aber ich konnte mein Wissen auf jeden Fall ausbauen und das auf eine so eine wunderbare Art.

Fazit:
„Nietzsche“ von Michel Onfray und Maximilien Le Roy ist eine herausragende Graphic Novel, die das Leben und Schaffen des bekannten deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche in den Mittelpunkt stellt. Dieses Buch ist anspruchsvoll und doch simpel. Es besticht durch faszinierende Zeichnungen und gut recherchierte Fakten. Man muss kein Nietzsche-Kenner oder Freund sein, um dieses Buch zu lesen. In meinen Augen ist es einfach eine Bereicherung für jeden Buchliebhaber.

Bewertung:

Sigmund Freud – Die ganze Wahrheit.

9 Aug

Christian Moser
Sigmund Freud – Die ganze Wahrheit

143 Seiten
Carlsen, 1. Februar 2006
Flexibler Einband

ISBN: 9783551781956

Sigmund Freud – weltbekannter Psychologe und Religionskritiker. Viele Biografien wurden über ihn verfasst, doch jetzt wird seine Geschichte neu erzählt. Wer eignet sich besser als Biograf als seine langjährige Begleiterin – die Couch. Ja richtig gehört, eine Couch! 50 Jahre lang stand sie in seiner Praxis und war elementarer Bestandteil seiner Behandlungen. Christian Moser hat sie aufgesucht und die Geschichte des Sigmund Freud in Bild und Text festgehalten.

Entstanden ist ein wundervolles Buch mit farbenfrohen, ironischen Illustrationen und dazu passenden Texten. Die Couch beschreibt in kurzen Kapiteln den Werdegang von Freud. Obwohl das Buch nur 143 Seiten hat und ein Großteil der Seiten durch die Illustration eingenommen werden, erfährt man viel über das Leben des berühmten Psychologen. Neben wichtigen Eckdaten seines Lebens und Grundlagen seiner Theorien, versucht Moser vor allem den Charakter Freuds herauszuarbeiten. Dass das keine leichte Arbeit war, erfährt man im Nachwort. Sigmund Freud war immer darauf bedacht, so wenig wie möglich über seine Person nach außen zu tragen. Mehrmals hat er alle seine Korrespondenzen und persönlichen Aufzeichnungen verbrannt. Dennoch finde ich die Charakterisierung sehr gelungen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Autor damit des öfteren ins Schwarze getroffen hat.
Eine Szene ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Sie passt so wunderbar zu dem rationalen, rein wissenschaftlichen denkenden Freud. So wird über den Briefwechsel Freuds mit seiner Verlobten auf Seite 24 folgendes geschrieben:

„Nur mit den Komplimenten tat er sich etwas schwer: Sie sei gewiss keine Schönheit, schrieb er ihr einmal, aber ihn störe das nicht – Äußerlichkeiten hätten ihn ohnehin nie besonders interessiert.“

Diese Aussage hat mich wirklich zum Schmunzeln gebracht. Welche Frau würde so etwas nicht gerne hören? Diese kleinen Spitzen hat die Couch des öfteren parat. Aber auch die Illustrationen enthalten bei genauem Hinsehen viele böse Anspielungen. Überhaupt bin ich ein Liebhaber von Mosers zeichnerischen Fähigkeiten. Der Stil seiner Grafiken ist wunderschön – farbenfroh, flächig und mit einer tollen Linienführung. Ebenso schön ist die Aufmachung des Buches. Ich bin ja ein Fan von gut gesetzten Bücher und schöner Typografie. All das vereint dieses Buch.

Fazit:
Sigmund Freud – Die ganze Wahrheit von Christian Moser ist ein wunderbares Buch. Humorvoll, ironisch, aber auch lehrreich. Eine Augenweide sind die Illustrationen und verschiedenen Typografien. Natürlich erhält man hier keine tiefgründigen Erkenntnisse über Freud und seine Lehren, aber diesen Anspruch hat das Buch auch gar nicht. Es ist einfach eine sehr gute kurzweilige Unterhaltung.

Bewertung:

Die Monster des Alltags

21 Mrz

Christian Moser
Monster des Alltags

144 Seiten
Carlsen, 1. November 2007
Flexibler Einband

ISBN 9783551787453

Wer kennt es nicht: Plötzlich sind sie da – die Unentschlossenheit, die Eifersucht oder das Chaos. Unzählige unerwünschte Begleiter tauchen im Alltag auf und dabei hat sie niemand gerufen. Doch eines ist sicher – sie sind da!

Woher sie kommen? Wer sie sind? Damit setzt sich Christian Moser in dem Buch Monster des Alltags auseinander. Endlich wissen wir woher die Schlaflosigkeit und der Ordnungswahn kommen. Es sind kleine Monster, die ungefragt auftauchen und versuchen unser Leben durcheinander zu bringen. Das klingt zunächst sehr negativ, doch man kann dem Ganzen auch etwas Gutes abgewinnen – wir sind unschuldig! Unsere Triebe und Zwänge, ja unser ganzes Tun und Sein wird von diesen Monstern gesteuert. Deshalb lohnt es sich dieses Buch zu lesen – man lernt die Monster besser kennen und kann gegebenenfalls besser mit ihnen umgehen.

Das Buch ist wie eine Enzyklopädie aufgebaut. Jedem dieser Wesen wurde eine Doppelseite gewidmet. Dort findet man eine detaillierte Beschreibung sowie eine Illustration des jeweiligen Monsters. Hinzu kommen Querverweise zu anderen Monstern, denn sie tauchen nur selten alleine auf.
Die Monster lassen sich insgesamt in zwei Kategorien einteilen – die unangenehmen und die wirklich bösartigen. Während die unangenehmen Monster sich nicht grundsätzlich negativ auswirken müssen, sind die wirklich bösartigen Monster extrem gefährlich. Besonders tückisch ist dabei, dass sie ihre Opfer selten wieder loslassen.

Fazit:
Hinter den Monstern des Alltags steckt eine fantastische Idee, die wunderschön umgesetzt wurde. Die Illustrationen der einzelnen Monster sind sehr treffend und schön anzuschauen. Die dazugehörigen Beschreibungstexte sind ebenfalls gelungen. Man liest sie und erkennt die Monster sofort wieder.
Die Aufmachung des Buches als Enzyklopädie ist gut gemacht und wird von dem minimalistischen Layout und den gut gewählten Typografien unterstützt.
Also weg mit den Trüben Gedanken, denn jetzt wissen wir ja: Wir können nichts für unser Tun!

Bewertung: