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Kain.

7 Jan

José Saramago
Kain

Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 01.08.2011
ISBN 9783455402957
19,99 €
Genre: Gegenwartsliteratur

„Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte ihrer Uneinigkeiten mit Gott, weder versteht er uns, noch verstehen wir ihn.“

Nachdem Gott Adam und Eva aus dem Paradies geworfen hat, bekommen die beiden 3 Söhne – Kain, Abel und Seth. Kain und Abel verstehen sich wunderbar, machen alles zusammen – sind ein unzertrennliches Paar, doch als Gott sich weigert ein Opfer von Kain anzuerkennen, wird der junge Hirte von seinem Bruder verspottet. Dafür muss Abel mit seinem Leben büßen. Gott ist entsetzt über Kains Kaltblütigkeit und bestraft ihn mit einem dunklen Mal auf der Stirn. Von nun an soll er auf der Welt umherirren. Und so geschieht es.

In diesem überaus gelungenen Buch des 2010 verstorbenen Nobelpreisträgers José Saramago begleiten wir Kain, den Sohn von Adam und Eva, quer durch das alte Testament. Egal ob der Turmbau zu Babel, die Zerstörung von Sodom und Gomorra, die Begegnungen mit Abraham, Hiob und Moses oder der Bau der Arche – Kain ist überall dabei. Und immer muss er merken, dass der ach so liebe Gott, kein besonders guter Kerl ist. Vielmehr ist er rachsüchtig und gewaltätig.

„[…] doch jetzt habe ich meine Zweifel, ob die Dinge so einfach sind, wahrscheinlich ist Satan lediglich ein Werkzeug des Herrn, damit beauftragt, die Drecksarbeiten zu erledigen, unter die Gott nicht seinen Namen setzen kann.“

Saramangos Schreibstil war im ersten Moment gewöhnungsbedürftig. Lange und komplexe Satzkonstruktionen sind seine absolute Stärke. Hat man sich aber erst einmal an diesen Stil gewöhnt, fällt es leicht dem Inhalt zu folgen. Und dieser Inhalt hat es in sich. Der Nobelpreisträger geht hart mit Gott ins Gericht. Voller Ironie und Boshaftigkeit berichtet aus dem alten Testament. Aus Gott und Abraham werden „Hurensöhne“, ein Soldat verliebt sich in einen Esel und irgendwie hat jeder Sex. Nicht umsonst löste dieses Buch bei seiner Veröffentlichung 2009 einen kleinen Skandal in Saramagos Heimatland Portugal aus. In unseren Breitengraden dürfte es jedoch recht locker bewertet werden.

„Wie alles haben auch Wörter ihr Was, Wie und Warum. Manche sind feierlich, sprechen uns mit pompösem Gehabe an, tun sich wichtig, als wären sie für Großes bestimmt, und dann stellt sich heraus, dass sie nicht mehr als ein leichtes Lüftchen waren, das keinen Mühlenflügel hätte in Bewegung setzen können, andere, gewöhnliche, übliche, alltägliche haben am Ende Folgen, die niemand vorauszusehen gewagt hätte, dafür waren sie nicht gemacht, und doch haben sie die Welt erschüttert.“

Fazit:
Kain von José Saramago ist eine bitterböse, zynische Abrechnung mit Gott und der Kirche, die auf so wunderbare Weise geschrieben wurde. Wirklich gläubige Menschen könnten mit diesem Buch ein Problem haben, alle anderen werden aber auf ihre Kosten kommen!

Bewertung:

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